Impuls vom Freitag, 4. September 2026
RAUS AUS DEM LÄRM Rosalia und die Kraft der Stille
Manchmal braucht es Abstand, um klar zu sehen.
Heute erinnern wir an Rosalia von Palermo, eine junge Frau aus dem 12. Jahrhundert, die ein ungewöhnliches Leben wählte. Mit etwa 30 Jahren zog sie sich auf den Monte Pellegrino zurück – einen felsigen Berg über ihrer Heimatstadt – und lebte dort als Eremitin. Kein Hof, kein Lärm, keine gesellschaftlichen Erwartungen. Sie lebte in einer Höhle, in Stille und Rückzug. Ob man das als religiösen Akt versteht oder nicht: Es war eine radikale Entscheidung für sich selbst.
Rückzug gilt heute oft als Schwäche oder als weltfremd. Dabei kennen viele das Gefühl: Manchmal muss man raus aus dem Dauerbeschallung, um überhaupt noch zu merken, was man selbst denkt und will. Rosalia hat das konsequent gelebt – radikaler als die meisten von uns es je würden. Aber der Gedanke dahinter ist gar nicht so weit weg: Wer sich nie Zeit für sich nimmt, verliert irgendwann den Faden zu sich selbst.
Ein Satz aus dem Buch der Könige beschreibt etwas, das gut dazu passt:
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, verhüllte er sein Gesicht mit seinem Mantel.
1 Könige 19,12–13 · Luther 1912
Das Wesentliche flüstert oft – man muss erst still werden, um es überhaupt zu hören. Rosalia hat das auf ihre Art verstanden.
Gönne dir heute bewusst 10 Minuten ohne Handy, ohne Musik, ohne Input – einfach nur sein.